50er Schuppen damals
Der vom Container ausgelöste Strukturwandel im Hamburger Hafen hat auch den Abbruch diverser historischer Hafengebäude nach sich gezogen. Der Stiftung Hamburg Maritim ist es gelungen, die so genannten "50er Schuppen" - Hamburgs letzte Kaischuppen aus der Kaiserzeit - durch Übernahme in den Stiftungsbesitz zu retten und unter Denkmalschutz stellen zu lassen.
Die auf dem Kleinen Grasbrook gebaute Umschlagsanlage war die größte und modernste ihrer Zeit. Sie befindet sich auf einer Landzunge zwischen dem 1893 angelegten Hansahafen und dem inzwischen zugeschütteten Indiahafen. Die Bebauung des Bremer Kais (Schuppen 50/51, Wohngebäude der Kaibeamten) und des Australiakais (Schuppen 52/53) erfolgte in den Jahren 1908 bis 1912. Die Gebäude zeigen die über eine ganze Epoche hinweg charakteristische Bauweise der Hamburger Hafenschuppen.
Aufgrund ihrer Bauweise, mit einer dreischiffigen Binderkonstruktion aus Holz und einem erhöhten Mittelschiff zur besseren Belichtung, wurden die Schuppen auch als „Kathedralen der Arbeit“ bezeichnet. Ausgestattet mit elektrischen Halbportalkranen an der Wasserseite galt die Anlage schon zur Bauzeit als Prototyp für die Hamburger Kaiarchitektur der folgenden Jahrzehnte. Zukunftsweisend war auch der Einbau von Aufenthaltsräumen und Sanitäranlagen in den repräsentativen Kopfgebäuden, in denen außerdem Verwaltungsräume und Dienstwohnungen für Kaibeamte untergebracht waren.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schuppen 51 und 53 stark beschädigt. Schuppen 51 wurde teilweise unter Verwendung von Originalbauteilen wieder aufgebaut, allerdings mit verändertem Dach und anderen Neuerungen. Schuppen 53 wurde vollständig neu in Stahlbetonbauweise erstellt. Die Schuppen 50 und 52 hingegen sind bis heute nahezu unverändert erhalten blieben.
Bis in die 80er Jahre hinein sind in den 50er Schuppen die Ladungen ungezählter Seeschiffe aus aller Welt umgeschlagen worden. Hunderte von Hafenarbeitern fanden in den Schuppen ihr Auskommen, tausende von Hamburgern haben hier als junge Leute nebenbei gejobbt. Seit den 80er Jahren dienten die Schuppen nur noch als reine Lagerhäuser mit LKW-Beschickung; die Dächer mit ihrer aufwändigen Holzkonstruktion wurden nicht mehr gepflegt und die historischen Kopfgebäude verfielen. Mit der Zuschüttung des angrenzenden Indiahafens und der nachfolgenden Flächenentwicklung für moderne Lagergebäude drohte der Abbruch des denkmalwerten Kaischuppenbestandes, nachdem der langjährige Nutzer sich zurückziehen wollte. Ein Teil der Schuppen galt bereits als Einsturz gefährdet.
Seit 2002 stehen die Schuppen 50 – 52 sowie das Beamtenwohnhaus unter Denkmalschutz. Der Schuppen 53 wurde abgerissen.
Lageplan

